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Strumpf M., Zenz M.
Chronischer Schmerz in Deutschland
Genaue epidemiologische Untersuchungen über die Häufigkeit
chronischer Schmerzen in der deutschen Bevölkerung liegen
nicht vor. 3 Millionen Patienten leiden nach Schätzungen
in den alten Bundesländern an chronischen Schmerzen, darunter
sind etwa 500.000 problematische Schmerzpatienten, die eine spezielle
Schmerztherapie benötigen. Für die neuen Bundesländer
liegen noch keine Schätzungen vor. Es ist jedoch anzunehmen,
daß die Relation ähnlich aussieht. Für die gesamte
Bundesrepublik Deutschland ist also mindestens mit einer Anzahl
von 600.000 Patienten mit problematischen Schmerzsyndromen zu
rechnen. Die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch chronische
Schmerzen entstehen, sind beträchtlich. Bonica schätzte
1992 auf der Basis vieler epidemiologischer Untersuchungen, daß in
den USA aufgrund chronischer Schmerzen jährlich 433 Millionen
Arbeitstage versäumt werden und sich die Kosten für
das Gesundheitssystem auf 45 Milliarden Dollar und die gesamten
volkswirtschaftlichen Kosten auf 79 Milliarden Dollar pro Jahr
belaufen. Inzwischen dürften diese Zahlen überholt
sein.
Notwendigkeit einer verbesserten Ausbildung
Patienten, die an chronischen Schmerzen
leiden, weisen in langjährigen,
teilweise jahrzehntelangen Krankheitsverläufen häufige
Arztbesuche bei unterschiedlichsten Fachdisziplinen auf. Eine
mitunter unnötige, kostenaufwendige apparative Diagnostik
begleitet diese Patienten, meist schließen sich erfolglose
Behandlungen an. Dies läßt oft auf eine fehlende Gesamtsicht
in der Behandlung schließen.
Exemplarisch wird die Situation an unseren
Patienten aus der Schmerzambulanz des Bergmannsheil deutlich.
Für den Zeitraum
August 1994 bis Oktober 1995 (572 neu vorgestellte Patienten)
betrug die Dauer der Vorbehandlung durchschnittlich 8 Jahre,
in Einzelfällen lag sie jedoch deutlich über diesem
Schnitt, nämlich bis zu 60 Jahren. Durchschnittlich wurden
diese Patienten bereits 1,6 mal wegen ihrer Schmerzen stationär
behandelt. Dabei wurden in der Vortherapie im Mittel 5,3, in
Einzelfällen bis zu 90 Wochen stationär verbracht.
Im Durchschnitt waren 4,7 verschiedene Ärzte mit der Vortherapie
befaßt. Die 572 Patienten besuchten vor ihrer Erstvorstellung
in unserer Schmerzklinik insgesamt 424 schmerztherapeutisch ausgebildete Ärzte
an insgesamt 181 auswärtigen Schmerzkliniken. Diese Zahlen
- und die Zahlen des aktuellen Jahrgangs - spiegeln den Trend
wieder, daß nicht nur schmerztherapeutisch unzureichend
ausgebildete Kollegen mit der Diagnostik und Therapie chronischer
Schmerzen oft überfordert sind, sondern daß auch Besuche
in schmerztherapeutisch spezialisierten Kliniken und Ambulanzen
nicht in jedem Fall zu einem ausreichendem Therapieerfolg führen.
Dies kann im Einzelfall einerseits an der fortschreitenden Komplexität
der Schmerzerkrankung liegen, andererseits ist die Qualifikation
der auf Schmerztherapie spezialisierten Kollegen zum Teil begrenzt
und letztendlich monodisziplinär ausgerichtet.
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