Gabapentin in der Schmerztherapie:
Kongressinformationen


Dr. St. Junger

Die Publikationen zum Einsatz von Gabapentin im Rahmen der Schmerztherapie beschränken sich ganz überwiegend auf Fallberichte bei Schmerzsyndromen unterschiedlichster Genese. Die häufigsten Anwendungsgebiete waren die komplexen regionalen Schmerzsyndrome (v.a. CRPS I), postzosterische Neuralgien, schmerzhafte Polyneuropathien, zentrale und periphere neuropathische Schmerzsyndrome, Trigeminusneuralgien sowie der Einsatz zur Migräneprophylaxe.

Prospektive, randomisierte, placebokontrollierte doppelblinde Studien wurden bislang nur 3 durchgeführt, davon 2 bei Pat. mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie und 1 zur Therapie postherpetischer Neuralgien.

In der Studie von Backonja et al. wurden 165 Pat. entweder mit Gabapentin oder Placebo behandelt. An eine vierwöchige Aufdosierungsphase bis 3600 mg/d in der Gabapentingruppe schloß sich eine Fortführung der unveränderten Medikation für 4 Wochen an. Der mittlere VAS-Wert von 6,5 reduzierte sich in der Gabapentin-Gruppe bis zur letzten Behandlungswoche im Mittel um 2,6 (+/- 0,3) Punkte im Gegensatz zu 1,3 (+/- 0,3) in der Placebogruppe und war statistisch signifikant. Bereits ab der 2. Behandlungswoche war diese Entwicklung bei einer Dosis von 1800 mg/d zu erkennen.

Gorson et.al. untersuchten 40 Pat. mit einer cross-over Studie. Behandlung mit entweder 900 mg Gabapentin/d oder Placebo für je 6 Wochen, Auswaschphase zwischen Medikamentenwechsel 3 Wochen. Schmerzveränderung erhoben mit McGill-Schmerzfragebogen, VAS und PPI. In der Gabapentingruppe signifikante Reduktion im MPQ, VAS und PPI. Auch in der Placebogruppe signifikante Abnahme der VAS-Werte. Veränderungen der VAS und PPI zw. den Gruppen nicht signifikant.

Rowbotham et. al. untersuchten 229 Pat. mit postherpetischer Neuralgie. Ebenfalls 4 Wochen Aufdosierung bis max. 3600 mg/d Gabapentin oder Placebo gefolgt von 4 Wochen Behandlung mit der höchsten tolerierten Dosis.

Schmerzreduktion in der Gabapentingruppe von VAS 6,3 auf 4,2 gegenüber Placebo von 6,5 auf 6,0 (signifikant). Ebenfalls signifikante Verbesserung des Schlafverhaltens und des SF-MPQ in der Verumgruppe. Leichte Nebenwirkungen bei 55% der Pat. in der Verumgruppe und 28% der Placebogruppe, Abbruch wg. Nebenwirkungen bei 19% in der Verumgruppe und 12 % in der Placebogruppe.

Die häufigsten Nebenwirkungen der Gabapentintherapie sind Müdigkeit, Schwindel und Benommenheit, gefolgt von gastrointestinalen Beschwerden, Juckreiz und Hautveränderungen, Ataxie, Nystagmus.

Zur Dosisfindung wird eine initiale Dosierung von 900-1200 mg/d empfohlen. Sollte sich darunter kein Effekt einstellen, wird eine weitere Steigerung als wahrscheinlich ineffektiv angesehen. Bei beginnender Schmerzreduktion in diesem Dosisbereich kann durch eine Steigerung bis 2400 mg, in Einzelfällen sogar bis 3600 mg/d noch eine Verbesserung der analgetischen Wirkung erreicht werden.

 
     
(c) 2005
Significo. media services

Alle Rechte vorbehalten.