4. Der Kopfschmerz - ein multidisziplinäres und volkswirtschaftliches Problem


Nach eigenen Daten befinden sich Patienten mit chronischen Kopfschmerzen durchschnittlich über elf Jahre in einer Behandlung bei neun verschiedenen Ärzten, bis sie an eine Schmerzambulanz mit multidisziplinärem Ansatz - wenn überhaupt - überwiesen werden. Allein die Kosten für Arbeitsausfälle durch chronische Schmerzen belaufen sich auf über 40 Milliarden DM. Schmerz ist damit ein schwerwiegendes gesundheitspolitisches Problem.

Dabei nehmen chronische Kopfschmerzen eine herausragende Stellung ein. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft geht davon aus, daß etwa 10 % der Bevölkerung in Deutschland an Migräne leiden. An chronischen bzw. episodischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp leiden wahrscheinlich sogar 30 %.

Eine deutsche epidemiologische Studie geht davon aus, daß der Anteil an Kopfschmerzpatienten in Deutschland einer noch wesentlich höheren Prävalenz unterliegt. Danach weisen 27,5 % Migräne und 38,3 % Spannungskopfschmerzen auf. Diese Daten werden durch andere Studien aus dem Ausland bestätigt. In Amerika leiden ca. 40 Millionen Menschen an Kopfschmerzen. Die Folge sind Arbeitsausfälle und geringere Produktivität.

In unserer Schmerzambulanz nahmen Kopfschmerzpatienten in den letzten Jahren einen beständigen Anteil zwischen 15 und 30 % des Gesamtpatientengutes ein. Jahrzehntelange frustrane Therapieverläufe, der unkritische Einsatz von analgetischen Mischpräparaten oder die chronische hochdosierte Gabe von Ergotaminpräparaten kennzeichnen die Krankengeschichten vieler dieser Patienten.

Die genannten Zahlen sind zwar kritisch zu bewerten und sollten nicht dazu führen, aus gesundheitspolitischen oder dramaturgischen Gründen bis zu 2/3 der deutschen Bevölkerung zu Kopfschmerzkranken zu stempeln. Sie zeigen aber, daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis jeder Arzt früher oder später mit Kopfschmerzpatienten konfrontiert wird. Mangelnde Erfahrung des Arztes, mangelhafte oder fehlende Diagnostik, ungezielte und rein monodisziplinäre Therapieansätze (z. B. ohne Einbindung der psychologischen Therapie oder vorschneller Einsatz von Analgetika ohne ausführliche Anamnese) begünstigen die Chronifizierung.

 

 
     
(c) 2005
Significo. media services

Alle Rechte vorbehalten.