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2.
Ein neues retardiertes orales Morphinpräparat
Bei dem Präparat MST Continus wird eine Wirkungsdauer von
bis zu 24 Stunden angegeben. Wir haben untersucht, ob diese Wirkungsdauer
realistisch ist, ob das gleiche Ausmaß an Analgesie wie
mit den seit vielen Jahren am Markt etablierten oralen retardierten
Morphintabletten (MST ) erreicht wird, welche Nebenwirkungen
unter MST Continus auftreten und ob sich die Patientenzufriedenheit
verändert.
In einer kontrollierten Cross-over Studie
wurden bis Ende Oktober 1996 insgesamt 11 Patienten mit chronischen
Schmerzen untersucht.
Bei allen Patienten bestand zum Studienbeginn eine Vormedikation
mit MST über mindestens vier Wochen in gleichbleibender
Dosierung und eine durchschnittliche Schmerzintensität von
4 cm auf der Visuellen Analogskala (0 cm = kein Schmerz, 10 cm
= maximal vorstellbarer Schmerz). In der Studienphase erhielten
die Patienten den gesamten Tagesbedarf an MST in der gleichen
Dosierung als einmal tägliche Gabe von MST Continus . Die
Patienten protokollierten täglich Schmerzintensität,
Schmerzspitzen, Schlafstörungen aufgrund von Schmerzen,
Rescue-Medikation (orale nicht-retardierte Morphintabletten (Sevredol
)), Nebenwirkungen und subjektive Befindlichkeit. Bei sechs Patienten änderte
sich die Schmerzintensität und das Nebenwirkungsprofil unter
MST Continus nicht. Bei vier Patienten war unter dieser Medikation
die Schmerzintensität höher. Bei einer Patientin war
dieser Effekt so stark ausgeprägt, daß die Dosis vier
Tage nach Umstellung auf MST Continus erhöht werden mußte.
Bei drei Patienten war die Wirkungsdauer von MST Continus deutlich
geringer als 24 Stunden. Eine Patientin litt in den ersten Tagen
nach der Umstellung unter mittelstarkem Kopfdruck und Übelkeit.
Bei einer weiteren Patientin traten am zweiten Tag nach der Umstellung
sehr starke Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Schwitzen
und fleckige Rötung am gesamten Körper auf, was zum
Studienabbruch führte. Nach Rückumstellung auf MST
war diese Symptomatik sofort wieder rückläufig. Sechs
Patienten entschieden sich nach der Studienphase für die
Fortführung der Medikation mit MST Continus . Hauptgrund
war die Erleichterung durch die einmal tägliche Einnahme.
Nach unseren Daten zeichnet sich die Tendenz
ab, daß eine
24-stündige Wirkungsdauer, das gleiche Ausmaß an Analgesie
und die gleiche Veträglichkeit wie bei MST nicht für
jeden Patienten unter MST continus gewährleistet ist. Die
nur einmal tägliche Einnahme von MST Continus wird von den
Patienten, die gut darauf ansprechen und keine gravierenden Nebenwirkungen
aufweisen, als deutliche Erleichterung empfunden. Die bessere
Compliance beim Patienten aufgrund der geringeren Einnahmefrequenz
stellt möglicherweise den wichtigsten Vorteil dieser neuen
Präparation dar.
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